Osteuropa im Griff der Sowjets

 

Die Sowjetunion hatte einen größeren Teil Osteuropas aus der Gewalt des National­sozia­lismus befreit - und das wirkte sich nachhaltig auf die politische Wirklichkeit in diesem Teil Europas aus. Die Grenze zwischen der UdSSR und dem Rest Europas, die für viele Europäer der Zwi­schenkriegszeit gleichbedeutend war mit einer Grenze zwischen Europa und einer anderen, frem­den Welt rückte um rund 150 Kilometer nach Westen. Die Sowjetunion behielt das, was ihr 1939 im Vertrag zwischen Ribbentrop und Molotow versprochen worden war, und noch mehr: die bal­tischen Republiken waren fest in sowjetischer Hand, dazu wurden Teile Deutschlands (Ostpreu­ßen), Polens, der Tschechoslowakei und Rumäniens annektiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ribbentrop, Mo­lo­tow und Stalin bei der Un­ter­zeichnung des Grenz- und Freund­schafts­ver­trages am 28. 9. 1939, Karte mit den Un­ter­schriften Stalins und Ribbentrop

 

 

Den osteuropäischen Staaten wurde zwar erlaubt, ihre nationale Souveränität wieder­her­zu­stel­len, doch blieb diese in recht engen Grenzen: Bis auf Österreich (zur sowjetischen Be­satzungszone gehörten die südöstlichen Bezirke Wiens, Niederösterreich, der nördlich der Donau gelegene Teil Oberösterreichs und das Burgenland) wurde in allen von der sowjet­rus­sischen „Roten Armee“ befreiten Staaten volksdemokratische und moskautreue Regierungen eingesetzt - sowohl als Ba­sis möglicher weiterer Expansionen der Sowjetunion und des von ihr vertretenen kommunisti­schen Systems (Stalin hatte schon im Frühjahr 1945 klargestellt, dass der jeweilige Besetzer das Recht habe, in dem von ihm besetzten Gebiet auch sein ge­sell­schaftliches System einzuführen) als auch als Schutz vor westlichem Druck.

 

Seit 1948 wurde das sowjetische Gesellschaftsmodell und vor allem das Modell einer staatlich ge­lenkten Planwirtschaft auf alle Staaten des sowjetischen Einflussbereichs (mit Ausnahme von Titos Jugoslawien) übertragen. Das brachte einen hohen Grad der Gleichschaltung im politischen, ideo­logischen und wirtschaftlichen System - sehr oft mit verheerenden Folgen. Die Land­wirt­schaft wurde kollektiviert; die Schwer­industrie bekam absoluten Vorrang - völlig unabhängig von den Be­dürfnissen der Bevölkerung. So entstand bald ein einheitlich wirkendes Osteuropa - in den Augen der Kommunisten ein brüderliches Arbeiter- und Bau­ernparadies, in west­lichen Augen ein uniformes, graues und unterdrücktes Ödland. Dabei ver­suchte Moskau, alle seine Sa­telliten direkt von sich abhängig zu machen. Trotz der 1949 er­folgten Gründung des (wirtschaftlichen) COME­CON und der 1955 erfolgten Gründung des (militärischen) Warschauer Pakts gab es in Osteu­ropa kaum Platz für überstaatliche Zu­sam­menarbeit; Auslandsreisen waren beschränkt auf po­li­ti­sche Anlässe - nicht zuletzt auch des­wegen, um der osteuropäischen Bevölkerung keine Mög­lich­keit zu bieten, an der Freiheit und wirtschaftlichen Entwicklung des Westens Geschmack zu fin­den.

 

http://www.warschauer-pakt.de/

 

Die beschränkte Reisemöglichkeit trug natürlich auch zur Bewahrung der nationalen Eigen­heiten der osteuropäischen Staaten bei. Zudem war die frühere jüdische und deutsche Be­völ­kerung praktisch verschwunden: Die Juden waren von den Deut­schen verschleppt und er­mor­det worden, Deutsche wurden gleichfalls ermordet oder vertrieben. Dies bewirkte eine „ethni­sche Säuberung“ vor allem in Polen und der Tschechoslowakei, zu einem geringeren Grad aber auch in Ungarn und Rumänien. Die Folge war ein Schwinden der Kontakte zu den deutschsprechenden Teilen Europas - immerhin waren ja die Juden und die Deutschen der am meisten über­nationale Teil in Osteuropa gewesen.

 

Diese Abschottung vom Ausland bewirkte auch das geringe Interesse der osteuropä­ischen Staaten an ihren Nachbarn, sodass der Funke der ersten antikommunisti­schen Erhebungen (Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968, Polen 1980/81) auch deshalb nicht auf andere Staaten über­sprin­gen konnte. Überhaupt blieb ein Aus­scheren oder Abweichen von der sowjetischen ideologischen Li­nie nur in wenigen Ausnahmefällen von gewaltsamen Reaktionen der Moskauer Führung ver­schont.

 

So wurde auch der Europagedanke in Osteuropa zu dieser Zeit weitgehend unter­drückt. West­eu­ropa wurde von den Kommunisten als dekadent dargestellt; sie be­schworen ihrerseits eine neue, osteuropäische, vor allem panslawische Brüder­lichkeit. Erst die raue Wirklichkeit der Sowjeti­fi­zie­­rung schuf unter der osteuropä­ischen Bevölkerung eine Assoziation des Kom­munismus mit der Sowjetunion und ihrer historischen Tradition des Absolutismus, der Orthodoxie (nun auf ideo­logischem Gebiet) und Brutalität. Daher wohnte den Erhebungen ge­gen den Kom­munismus auch ein anderes Ziel inne: eine Rückkehr nach Europa und seinen Werten, in erster Linie zur Demokratie und zum Humanismus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Gipfel von Jalta im Februar 1945 beendet den Zweiten Weltkrieg:

Churchill, Roosevelt, Stalin teilen Europa auf.

 

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